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Der Relaunch ist der Moment, in dem eine Website am meisten gewinnen und am meisten verlieren kann. Neues Design, schnellere Technik, klarere Struktur — und drei Wochen später steht in der Search Console die Hälfte des Traffics nicht mehr da.
Das passiert nicht, weil Google den Relaunch bestraft. Es passiert, weil Adressen sich ändern und niemand Google gesagt hat, wohin.
Wir haben diese Website im Sommer 2026 selbst von WordPress auf ein eigenes System umgestellt. Dieser Beitrag ist die Checkliste, die wir dabei benutzt haben — und am Ende steht, was danach tatsächlich in der Search Console passiert ist. Auch der unangenehme Teil.
Warum Rankings einbrechen
Eine Position bei Google hängt an einer Adresse, nicht an einer Seite.
Wenn /leistungen/webdesign/ zu /leistungen/webdesign wird — ein einziger
Schrägstrich —, ist das für Google eine andere Adresse. Ohne Weiterleitung
gilt: alte Adresse tot, neue Adresse unbekannt, Position weg.
Die vier häufigsten Auslöser, in dieser Reihenfolge:
- Adressen ändern sich, ohne dass jemand eine Weiterleitung setzt.
- Weiterleitungen zeigen ins Leere — alles landet pauschal auf der Startseite statt auf der thematisch passenden Seite. Google wertet das wie eine 404.
- Inhalte verschwinden. Beim Neubau fällt Text weg, weil er im neuen Layout „nicht mehr passt". Damit fällt auch der Grund weg, warum die Seite rankte.
- Die Seite ist nicht erreichbar — versehentlich ein
noindexaus der Testumgebung mitgenommen oder einerobots.txt, die alles sperrt.
Punkt 4 klingt albern und ist der häufigste Totalschaden.
Die fünf Schritte
1. Vorher messen — sonst gibt es keinen Vergleich
Vor dem Umschalten braucht es einen Stand, gegen den man später prüfen kann:
- Alle indexierten Adressen exportieren: aus der Search Console, aus der Sitemap und aus einem Crawl der Live-Seite. Die drei Listen sind nie identisch, und die Differenz ist genau das Interessante.
- Die Seiten mit Klicks aus der Search Console, mindestens zwölf Monate. Diese Liste bestimmt die Reihenfolge aller weiteren Arbeit.
- Positionen und Impressionen je Seite, als Ausgangswert.
Wichtig ist der zweite Punkt. Es gibt fast immer eine Handvoll Seiten, die niemand im Team auf dem Schirm hat und die trotzdem die meisten Zugriffe bringen. Bei uns war es eine alte Projektseite für eine Praxis — sie brachte mehr Klicks als jede Leistungsseite.
2. Eine Weiterleitungskarte bauen, Zeile für Zeile
Jede alte Adresse bekommt genau ein neues Ziel. Nicht die Startseite, sondern die thematisch nächste Seite.
| Alte Adresse | Richtiges Ziel | Falsches Ziel |
|---|---|---|
/leistungen/wordpress-experten/ | /leistungen/wordpress | / |
/karriere/ | /ueber-aos | /kontakt |
/portfolio-case-studies/ | /referenzen | / |
Zwei technische Punkte, die zählen:
- 301 oder 308, nicht 302. Eine 302 ist eine temporäre Weiterleitung und vererbt keine Autorität. Sie ist der häufigste stille Fehler. Google beschreibt die sauberen Varianten in seiner Dokumentation zu Weiterleitungen.
- Keine Ketten. Alt → Zwischenschritt → Neu verliert Zeit und Signal. Von jeder alten Adresse direkt aufs Ziel.
Bei uns waren es 63 Adressen. Jede einzeln geprüft, nicht per Muster.
3. Inhalte übernehmen, nicht neu erfinden
Wer rankt, rankt für einen Text. Der Neubau ist die Gelegenheit, ihn besser zu machen — nicht, ihn wegzulassen. Als Faustregel: Auf den Seiten, die Klicks bringen, sollte der neue Text mindestens so viel abdecken wie der alte. Kürzer darf er sein. Ärmer nicht.
Was dabei mitmuss: Seitentitel, Beschreibung, Überschriftenstruktur, Bild-Alternativtexte und die internen Links. Gerade die internen Links gehen beim Neubau regelmäßig verloren, weil sie im alten Fließtext standen.
4. Vor dem Umschalten prüfen — automatisiert
Von Hand hält niemand 60 Seiten nach. Wir lassen vor jedem Umschalten die gleichen Prüfungen laufen:
- Liefert jede alte Adresse eine 301 oder 308 auf ein Ziel, das mit 200 antwortet?
- Steht auf jeder neuen Seite ein Titel, eine Beschreibung, ein Canonical und genau eine H1?
- Enthält die Sitemap alle Seiten, die indexiert werden sollen — und keine,
die auf
noindexstehen? - Ist irgendwo ein
noindexoder eine sperrenderobots.txtaus der Testumgebung übrig? - Sind alle internen und externen Links erreichbar?
Der letzte Punkt vor dem Umschalten ist immer derselbe: die Live-Sitemap der alten Seite komplett durchrufen. Nicht die eigene Liste — die echte. Bei uns standen dort Adressen drin, die in keiner unserer Listen auftauchten.
5. Nach dem Umschalten: einreichen und beobachten
- Neue Sitemap in der Search Console einreichen, alte drin lassen, bis die alten Adressen aus dem Index verschwunden sind. Googles Leitfaden für Website-Umzüge mit Adressänderung beschreibt den Ablauf im Detail.
- Die wichtigsten Seiten über die URL-Prüfung manuell zur Indexierung anmelden.
- Vier bis acht Wochen beobachten, ohne in Panik weitere Änderungen vorzunehmen.
Wie es bei uns tatsächlich aussah
Der ehrliche Teil. Fünf Wochen nach dem Umschalten sah unsere eigene Search Console so aus:
- Die alten Adressen mit Schrägstrich hielten weiter die meisten
Impressionen —
/kontakt/stand bei 45,/ueber-aos/bei 29, obwohl beide seit Wochen weiterleiten. - Die neuen Seiten standen auf Position 90 bis 99. Also Seite 9 bis 10.
- Eine alte Projektseite, die es gar nicht mehr gibt, brachte den einzigen Klick dieser Woche.
- Die Startseite tauchte zweimal auf: einmal mit
www, einmal ohne. Diewww-Fassung hatte deutlich mehr Impressionen bei besserer Position, obwohl sie sauber weiterleitet.
Nichts davon ist ein Fehler. Alle Weiterleitungen waren korrekt gesetzt und liefen mit 301 oder 308 auf ein Ziel mit Status 200 — nachgemessen. Es ist schlicht die Zeit, die Google braucht, um neu zu crawlen, zu konsolidieren und die alten Adressen aus dem Index zu nehmen.
Das ist der Teil, den kaum jemand zeigt, und deshalb entstehen die falschen Schlüsse. Wer in Woche drei sieht, dass die neuen Seiten auf Position 95 stehen, hält den Relaunch für misslungen und fängt an, hektisch zu ändern. Genau das verlängert die Phase.
Woran du echte Fehler von normaler Verzögerung unterscheidest:
| Beobachtung | Bedeutung |
|---|---|
| Alte Adressen halten noch Impressionen | normal, dauert Wochen |
| Neue Seiten auf Position 80+ | normal für neue Adressen |
| Alte Adresse liefert 404 statt Weiterleitung | Fehler, sofort beheben |
| Weiterleitung landet auf der Startseite | Fehler, Ziel korrigieren |
| Seite fehlt in der Sitemap | Fehler |
| Abdeckungsbericht meldet „ausgeschlossen durch noindex" | Fehler |
Die ersten beiden Zeilen brauchen Geduld. Die anderen vier brauchen dich.
Was wir sonst noch gemessen haben
Weil ein Relaunch nicht nur Rankings halten, sondern etwas verbessern soll — die Werte nach dem Umstieg auf statisches Rendering:
| Wert | |
|---|---|
| Seiten insgesamt | 60 |
| Antwortzeit, Median | 32 ms |
| Lighthouse Ø über die Hauptseiten | 96 |
| Alte Adressen mit sauberer Weiterleitung | 63 von 63 |
| Kaputte Links | 0 |
| Bilder ohne Alternativtext | 0 von 206 |
Die Antwortzeit ist der Punkt mit dem größten Hebel für die Ladezeit — und gleichzeitig der, der beim Relaunch am leichtesten zu gewinnen ist. Was dahintersteckt, steht im Beitrag zu den Core Web Vitals.
Die Kurzfassung
- Vorher exportieren, was rankt. Ohne diese Liste ist der Rest Raten.
- Jede alte Adresse bekommt ein eigenes, thematisch passendes Ziel — per 301 oder 308, ohne Kette.
- Inhalte übernehmen, nicht neu erfinden. Kürzer ja, ärmer nein.
- Automatisiert prüfen, bevor umgeschaltet wird. Und die alte Live-Sitemap durchrufen, nicht die eigene Liste.
- Vier bis acht Wochen ruhig bleiben. Position 90 in Woche drei ist kein Fehler.
Wenn ein Relaunch ansteht und du wissen willst, was dabei auf dem Spiel steht: Wir sehen uns die bestehende Seite an und sagen, welche Adressen geschützt werden müssen — Termin vereinbaren oder vorab den kostenlosen SEO-Check laufen lassen.
