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Es gibt reichlich Listen mit Tipps zur Plugin-Auswahl. Fast alle sagen dasselbe: auf Bewertungen achten, auf Aktualität, auf die Zahl der Installationen. Das ist nicht falsch, aber es ist die Außenansicht.
Wir veröffentlichen selbst sieben Plugins im offiziellen Verzeichnis von wordpress.org. Deshalb kennen wir die Rückseite dieser Zahlen: was sie tatsächlich bedeuten, wie sie zustande kommen und wo sie in die Irre führen.
Die kurze Antwort
Die drei Angaben, die wirklich etwas aussagen, sind die Zahl der aktiven Installationen, der Anteil gelöster Supportanfragen der letzten Monate und der Changelog. Bewertungen und das Datum der letzten Aktualisierung werden regelmäßig falsch gelesen.
Was die Zahlen auf wordpress.org bedeuten
Aktive Installationen, nicht Downloads
Auf der Plugin-Seite steht „Aktive Installationen“. Das ist etwas anderes als Downloads und die deutlich ehrlichere Zahl: Sie zählt Websites, auf denen das Plugin heute installiert ist. Downloads zählen auch jeden, der es nach einer Woche wieder gelöscht hat.
Die Angabe ist grob gestuft, sie springt von 10.000 auf 20.000 auf 30.000. Wichtig ist nicht der genaue Wert, sondern die Größenordnung. Unter tausend aktiven Installationen bist du in einer kleinen Gruppe. Das kann völlig in Ordnung sein, bedeutet aber: Fehler in deiner Konstellation hat vor dir vielleicht noch niemand gemeldet.
Bewertungen sagen weniger, als man denkt
Fünf Sterne bei zwölf Bewertungen sind keine Aussage. Und Bewertungen altern schlecht: Sie bleiben stehen, auch wenn das Plugin drei Jahre später den Besitzer gewechselt hat und kaum wiederzuerkennen ist.
Nützlicher als der Durchschnitt sind die Ein-Stern-Bewertungen der letzten Monate. Dort steht, woran Leute konkret scheitern. Wiederholt sich dieselbe Beschwerde, ist das ein echtes Signal.
Der Supportbereich ist die ehrlichste Stelle
Unter dem Reiter Support steht eine Zeile in der Art „3 von 8 Anfragen in den letzten zwei Monaten gelöst“. Das ist die aussagekräftigste Zahl auf der ganzen Seite, und fast niemand sieht sie an.
Sie beantwortet die Frage, die du eigentlich hast: Ist da noch jemand? Ein Plugin mit 200.000 Installationen und null gelösten Anfragen ist ein Plugin ohne Betreuung. Lies auch zwei, drei Threads. Der Ton, in dem ein Entwickler auf einen Fehlerbericht antwortet, sagt dir mehr über die nächsten zwei Jahre als jede Sternebewertung.
Getestet bis: was das wirklich heißt
„Getestet bis WordPress 6.4“ heißt nur, dass der Entwickler diese Zahl zuletzt in eine Textdatei geschrieben hat. Es gibt keine Prüfung dahinter. Wer die Angabe nie aktualisiert, bekommt nach einem Jahr im Verzeichnis den Hinweis, dass das Plugin möglicherweise nicht mehr gepflegt wird.
Umgekehrt heißt eine aktuelle Angabe nicht, dass wirklich getestet wurde. Sie heißt nur, dass jemand daran gedacht hat. Was immerhin auch etwas ist.
Wann „vor zwei Jahren aktualisiert“ egal ist
Hier wird am häufigsten falsch geurteilt. Ein Plugin, das eine kleine, abgeschlossene Aufgabe erledigt und dabei nur WordPress-Bordmittel benutzt, kann jahrelang unverändert richtig funktionieren. Es gibt schlicht nichts zu ändern.
Kritisch ist Stillstand dagegen bei allem, was:
- mit anderen Systemen spricht. Zahlungsanbieter, Versanddienste, Newsletter, Kartendienste. Deren Schnittstellen ändern sich, und wenn das Plugin nicht mitzieht, bricht die Verbindung irgendwann ab.
- Daten von außen entgegennimmt. Formulare, Uploads, Kommentare, Suche. Dort entstehen Sicherheitslücken, und dort müssen sie geschlossen werden.
- tief in den Seitenaufbau eingreift. Seitenbaukästen und Themes.
Ein Formular-Plugin, das seit zwei Jahren nichts gesehen hat, würden wir nicht installieren. Ein Plugin, das den Adminbereich um eine Spalte ergänzt, schon.
Was auf wordpress.org nicht steht
Die Codequalität. Das Verzeichnis prüft beim Aufnehmen auf grobe Sicherheitsprobleme und Richtlinienverstöße, danach nur noch bei Meldungen. Ein Plugin kann funktionieren und trotzdem bei jedem Seitenaufruf zwölf Datenbankabfragen zu viel machen.
Zwei Dinge lassen sich trotzdem von außen sehen:
- Die Dateigröße. Ein Plugin für eine Funktion, das fünf Megabyte wiegt, bringt fast immer eine komplette Bibliothek mit, die es nicht braucht.
- Der Changelog. Steht dort bei jeder Version nur „Bugfixes and improvements“, weißt du nichts. Steht dort, was geändert wurde und warum, hast du es mit jemandem zu tun, der sein Handwerk ernst nimmt.
Welche Regeln ein Plugin im Verzeichnis einhalten muss und was dort geprüft wird, steht im Plugin Handbook von WordPress.
Die Prüfung in fünf Minuten
Bevor du auf Installieren klickst:
- Supportbereich öffnen. Wie viele Anfragen sind zuletzt gelöst worden?
- Zwei Threads lesen. Wie wird geantwortet?
- Changelog überfliegen. Steht dort etwas Konkretes?
- Ein-Stern-Bewertungen der letzten Monate lesen. Wiederholt sich etwas?
- Fragen, ob WordPress es schon kann. Der wichtigste Punkt, siehe unten.
Der Punkt, den fast alle überspringen
Die beste Plugin-Entscheidung ist oft, keines zu installieren.
WordPress hat in den letzten Jahren viel dazugelernt, was früher ein Plugin gebraucht hat. Bildergalerien, Spalten, responsive Raster, Ankerlinks, Formatvorlagen, Lazy Loading für Bilder: alles im Kern enthalten. Wir haben Kundenseiten übernommen, auf denen ein 400 Kilobyte großes Plugin nichts anderes tat, als ein zweispaltiges Layout zu erzeugen.
Frag also erst: Was genau soll passieren? Und dann: Kann WordPress das inzwischen selbst?
Wie viele Plugins sind zu viele?
Diese Frage kommt in fast jedem Erstgespräch, und die verbreitete Antwort („mehr als zwanzig ist schlecht“) ist Unsinn.
Es kommt nicht auf die Anzahl an, sondern darauf, was die einzelnen tun. Fünfundzwanzig kleine, saubere Plugins können harmloser sein als drei Seitenbaukästen. Ein Plugin, das nur im Adminbereich arbeitet, kostet Besucher gar nichts. Eines, das auf jeder Seite ein eigenes Stylesheet und zwei JavaScript-Dateien lädt, kostet auf jeder einzelnen.
Was wirklich zählt:
- Wie viele laden auf der Startseite mit? Das kannst du im Browser unter Netzwerkanalyse sehen.
- Wie viele Plugins überschneiden sich? Zwei Cache-Plugins, zwei SEO-Plugins, drei Formular-Plugins. Das kommt öfter vor, als man denkt, und ist die häufigste Ursache für Fehler, die niemand erklären kann.
- Wie viele benutzt tatsächlich noch jemand? Deaktivierte Plugins bekommen keine Sicherheitsupdates, liegen aber weiter auf dem Server. Wer sie nicht braucht, löscht sie.
Die Kosten, die im Preis nicht stehen
Jedes Plugin ist eine Verpflichtung. Es muss aktualisiert werden, die Updates müssen geprüft werden, und wenn der Entwickler aufhört, musst du ersetzen, was darauf aufgebaut hat.
Bei kostenpflichtigen Plugins kommt hinzu: Läuft die Lizenz aus, hört das Plugin nicht auf zu arbeiten, aber es bekommt keine Updates mehr. Nach ein paar Monaten ist es eine offene Tür. Rechne die Verlängerung von Anfang an mit ein, nicht nur den Kaufpreis.
Wie wir es halten
Wir bauen selbst Plugins, und zwar genau dann, wenn kein vorhandenes zu einer Anforderung passt, ohne fünf weitere Funktionen mitzuschleppen. Alle sind öffentlich einsehbar: unsere Plugins im Überblick.
Und wenn du wissen willst, was auf deiner Seite gerade an Plugins mitläuft und was davon weg kann: Das sehen wir uns im Erstgespräch gemeinsam an, mit einer ehrlichen Einschätzung, auch wenn die Antwort lautet, dass alles in Ordnung ist.
Erstgespräch vereinbaren oder WordPress-Plugins als Leistung ansehen.
