Inhaltsverzeichnis
  1. Wer sieht die Anzeigen in ChatGPT?
  2. Wo steht die Anzeige, und wie sieht sie aus?
  3. Wonach entscheidet ChatGPT, welche Anzeige erscheint?
  4. Was bekommen Werbetreibende zu sehen, und was nicht?
  5. Was kostet Werbung in ChatGPT?
  6. Was braucht ein Unternehmen, um in ChatGPT zu werben?
  7. Wie unterscheidet sich das von Google Ads?
  8. Lohnt sich das für kleine Unternehmen?
  9. Kurz zusammengefasst
  10. Quellen

Seit dem 24. August 2026 zeigt ChatGPT auch in Deutschland Anzeigen: unter der Antwort, als „Gesponsert“ gekennzeichnet, und nur für Nutzer der Tarife Free und Go. Seit dem 31. August kann jedes Unternehmen mit Sitz in Deutschland über den Ads Manager von OpenAI selbst buchen, ab 15 Euro Tagesbudget und nach einer Prüfung des Unternehmens. Das Ungewohnte daran: Es gibt keine Keywords. ChatGPT wählt die Anzeige nach dem Inhalt des laufenden Gesprächs aus.

Auf einen Blick: Anzeigen erscheinen unter dem Ende einer Antwort, getrennt durch eine Linie und beschriftet. Sie beeinflussen die Antwort nicht. Werbetreibende sehen keine Chats, nur Summen wie Einblendungen und Klicks. Abgerechnet wird je Klick oder je 1.000 Einblendungen, nie je Conversion. In Europa gibt es zunächst keine personalisierten Anzeigen.

Wer sieht die Anzeigen in ChatGPT?

Anzeigen bekommen angemeldete Erwachsene auf den Tarifen Free (0 Euro) und Go (8 Euro im Monat). Plus für 23 Euro, Pro ab 103 Euro sowie die Business-, Enterprise- und Edu-Tarife bleiben werbefrei. Konten, die OpenAI als unter 18 einstuft, sehen keine Anzeigen; dafür nutzt OpenAI neben der Altersangabe auch eine Altersschätzung aus dem Nutzungsverhalten. In temporären Chats erscheinen keine Anzeigen, und Free-Nutzer können in manchen Regionen auf eine werbefreie Variante mit engeren Limits wechseln.

Wie viele Menschen das in Deutschland sind, sagt OpenAI nicht. Weltweit nennt das Unternehmen „mehr als 1 Milliarde wöchentlich aktive Nutzer“, den Anteil der zahlenden Abonnenten nennt es nicht. Eine repräsentative Befragung von Splendid Research vom Juni 2026 (1.000 Personen zwischen 18 und 69 Jahren) kommt für Deutschland auf 44,8 Prozent, die ChatGPT in den vier Wochen davor mehr als einmal genutzt haben. Welcher Teil davon Free oder Go nutzt, weiß niemand außerhalb von OpenAI. Für die Planung heißt das: Die Reichweite ist groß, aber es gibt keine Zahl, aus der sich vorab Klicks je Tag ableiten ließen. Einen Keyword-Planer wie bei Google gibt es nicht.

Ein praktischer Nebeneffekt, der in Gesprächen mit Kunden regelmäßig überrascht: Wer selbst ChatGPT Plus nutzt, wird die eigene Anzeige nie zu sehen bekommen.

Wo steht die Anzeige, und wie sieht sie aus?

Die Anzeige steht unter dem Ende einer Antwort, abgesetzt durch eine graue Linie und mit dem Hinweis, dass es sich um gesponserte Inhalte handelt. Sie besteht aus dem Namen des Werbetreibenden, einem Logo, einem Titel, einem kurzen Text, einem quadratischen Bild und einem Link auf die Zielseite. Es können mehrere Anzeigen untereinander stehen, auch von verschiedenen Anbietern. Shops können zusätzlich Produktanzeigen aus einem Feed schalten, die Bild, Titel, Bewertungssterne, Preis und Marke zeigen.

Zwei Dinge sind fest zugesagt. Erstens: Anzeigen verändern die Antwort nicht. OpenAI schreibt, die Anzeigen liefen auf getrennten Systemen, und Werbetreibende könnten die Antworten weder beeinflussen noch sortieren. Zweitens: Eine Anzeige ist keine Empfehlung. Wer eine sieht, sieht eine bezahlte Platzierung, nicht das Urteil des Modells.

Seit dem 16. September 2026 testet OpenAI in den USA mit ausgewählten Werbetreibenden zusätzlich „Sponsored Agents“: Wer auf eine Anzeige tippt, kann ein gekennzeichnetes Gespräch mit einem Assistenten des Unternehmens beginnen, getrennt vom eigentlichen Chat. In Deutschland gibt es das noch nicht, und Anfragen für einen frühen Zugang nimmt OpenAI derzeit nicht an.

Wonach entscheidet ChatGPT, welche Anzeige erscheint?

Nach dem Kontext des laufenden Gesprächs, nicht nach einem Suchbegriff. OpenAI nennt als Signale den Inhalt und die Absicht des aktuellen Chats, die Zielseite, Titel und Text der Anzeige, die Ausrichtung auf Länder und Plattformen sowie sogenannte Kontexthinweise. Das sind Sätze, die der Werbetreibende je Anzeigengruppe hinterlegt, um zu beschreiben, was er anbietet, für wen und in welcher Situation. OpenAIs eigenes Beispiel: nicht „Laufschuhe“, sondern „gedämpfte Laufschuhe für Einsteiger, die ihren ersten Fünf-Kilometer-Lauf trainieren“.

Kontexthinweise sind ausdrücklich keine Keywords. Sie garantieren keine Auslieferung in bestimmten Gesprächen, und sie können weder Orte noch Zeiten noch Ausschlüsse steuern. Gibt es mehrere passende Anzeigen, entscheidet eine Auktion, die Relevanz und Gebot gewichtet: eine relevanzgewichtete Zweitpreisauktion, wie OpenAI sie beschreibt.

Für Europa gilt eine Einschränkung, die aus Datenschutzsicht die wichtigste ist: Im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz gibt es zunächst keine personalisierten Anzeigen. Herangezogen werden das laufende Gespräch, eine grobe Ortsangabe und die Sprache. Frühere Chats und gespeicherte Erinnerungen bleiben außen vor. In den USA können Nutzer die Personalisierung einschalten, dann fließen auch frühere Unterhaltungen und das Verhalten gegenüber Anzeigen ein.

Ausgeschlossen sind Anzeigen bei sensiblen Themen: körperliche und psychische Gesundheit, Politik, Selbstverletzung, Hass, Gewalt und einige weitere Bereiche, die OpenAI in seinen Werberichtlinien aufzählt.

Was bekommen Werbetreibende zu sehen, und was nicht?

Nur Summen. Der Ads Manager zeigt Einblendungen, Klicks, Ausgaben, Klickrate, durchschnittliche Klick- und Tausenderpreise sowie Conversions, falls die Messung eingerichtet ist. Chats, Chatverläufe, Erinnerungen und persönliche Daten bekommt ein Werbetreibender nicht, und OpenAI verkauft nach eigener Aussage keine Nutzerdaten an Werbetreibende. Schreibt ein Nutzer über eine Anzeige an ein Unternehmen, sieht das Unternehmen nur diese Nachrichten.

Conversions misst OpenAI über ein eigenes Pixel im Browser oder eine Schnittstelle vom Server aus. Der Klick trägt eine Referenz in der Adresse, die das Pixel in einem Cookie ablegt. Das ist in Deutschland ein Fall für die Einwilligung: Ohne Zustimmung darf der Pixel weder laden noch Cookies setzen. Wer das sauber machen will, braucht ein Einwilligungsbanner, das den Pixel vorher blockiert, und einen Hinweis in der Datenschutzerklärung. Wie Messung ohne Einwilligungspflicht aussehen kann, steht in unserem Beitrag zu Matomo ohne Cookies. Für ChatGPT-Anzeigen reicht dort ein eigener UTM-Parameter in der Zielseite, den OpenAI beim Klick unverändert weitergibt.

Was kostet Werbung in ChatGPT?

Das Mindest-Tagesbudget für ein Konto in Euro liegt bei 15 Euro je Kampagne. Bezahlt wird per Kreditkarte im Nachhinein, abgerechnet je Klick oder je 1.000 Einblendungen. Auch wer auf Conversions optimiert, zahlt je Klick oder je Einblendung, nie je Conversion. Für den Klickpreis nennt OpenAI zum Start ein empfohlenes Höchstgebot von 3 bis 5 US-Dollar; deutsche Preisdaten gibt es noch nicht. Wie die Rechnung mit Budget, Klickpreis und Anfragequote ausgeht und wie das Schalten Schritt für Schritt abläuft, steht im zweiten Beitrag: ChatGPT Ads schalten: Kosten und Ablauf.

Was braucht ein Unternehmen, um in ChatGPT zu werben?

Sechs Dinge, in der Reihenfolge, in der sie auf dem Weg liegen:

  1. Einen Rechtsträger in einem freigeschalteten Land. Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen auf der Liste. Konten können nur Unternehmen anlegen, keine Privatpersonen, und eine Agentur darf das Konto nicht stellvertretend anlegen. Sie wird danach eingeladen.
  2. Eine Prüfung. Firmendaten, eine Identitätsprüfung über den Dienstleister Persona und danach eine Warteschlange, für die OpenAI keine Dauer nennt. Land, Währung und Zeitzone des Kontos lassen sich später nicht ändern.
  3. Eine Kreditkarte im Land des Kontos, dazu die Umsatzsteuer-ID für die Rechnungen.
  4. Eine zulässige Branche. Zum Start sind vor allem Konsumbereiche erlaubt: Haushalt und Lifestyle, lokale Dienstleistungen, Reisen, digitale Produkte, Bildung. Außerhalb der USA sind Finanz-, Gesundheits- und Rechtsdienstleistungen untersagt, also keine Praxen, Kanzleien oder Versicherungen. Verboten sind außerdem Alkohol, Glücksspiel, politische Inhalte, Dating und einzelne Stellenanzeigen.
  5. Eine Zielseite, die OpenAI lesen darf. Der Crawler OAI-AdsBot muss die Seite abrufen können, sonst wird die Anzeige nicht geprüft und läuft nicht. Viele deutsche Websites sperren seit 2023 alle KI-Crawler in der robots.txt; dann ist die Anzeige von vornherein tot.
  6. Anzeigen im vorgegebenen Format. Titel bis 50 Zeichen (empfohlen 16 bis 24), Text bis 100 Zeichen (empfohlen 32 bis 48), ein quadratisches Bild bis 1200 Pixel Kantenlänge, Firmenname und Logo.

Was auffällt: Die Prüfung ist strenger als bei Google, und die Liste der verbotenen Branchen trifft viele Betriebe, für die Google Ads der wichtigste Kanal ist. Eine Arztpraxis kann bei Google werben, in ChatGPT nicht.

Wie unterscheidet sich das von Google Ads?

Google AdsChatGPT Ads
AuslöserSuchbegriffGesprächskontext
SteuerungKeywords, AusschlüsseKontexthinweise, keine Ausschlüsse
ZielgruppenUmkreis, Demografie, ListenLand, Plattform, Listen ab 25.000
Personalisierung (EU)mit Einwilligungzunächst keine
Mindestbudgetkeins15 € am Tag
Anruf als Zieljanein, nur Websites
PlanungsdatenKeyword-Planerkeine, Beta

Die Unterschiede sind größer, als das Wort „Ads“ vermuten lässt. Wer bei Google gelernt hat, Kampagnen über Suchbegriffe zu führen, muss bei ChatGPT umlernen: Statt Begriffe zu kaufen, beschreibt man Situationen, in denen das eigene Angebot hilft, und liefert viele Varianten, damit das System passende Gespräche findet. OpenAI formuliert das als „build for coverage“. Was sich nicht ändert, ist die Frage nach der Zielseite: Ein Klick aus einem Gespräch landet auf derselben Seite wie ein Klick aus der Suche, und die muss tragen. Wie eine Seite in KI-Antworten überhaupt vorkommt, ohne dafür zu bezahlen, beschreibt unser Beitrag zur Answer-Engine-Optimierung.

Lohnt sich das für kleine Unternehmen?

Für manche ja, für viele noch nicht, und für einige geht es gar nicht. Ein Shop mit gepflegtem Produktfeed und funktionierender Messung ist der beste Kandidat, ebenso Dienstleister, deren Angebote in Gesprächen verglichen werden: Reisen, Weiterbildung, Software, Handwerk mit Beratungsbedarf. Wer dagegen Anfragen am Telefon bekommt, findet kein Anrufformat. Wer unter 15 Euro am Tag bleiben muss, kommt nicht hinein. Und wer eine Mengenzusage braucht, sollte warten: OpenAI schreibt selbst, dass Auslieferung und Ausgaben in der Beta schwanken können.

Unsere Empfehlung ist dieselbe wie bei jedem zweiten Kanal: erweitern, nicht teilen. Ein Budget, das bei Google Ads trägt, wird nicht halbiert, um ChatGPT auszuprobieren. Der Test bekommt eigenes Geld, eine klare Frage und mindestens 14 Tage Zeit, bevor jemand ein Urteil fällt.

Kurz zusammengefasst

ChatGPT Ads sind Anzeigen unter der Antwort, ausgewählt nach dem Gesprächskontext, sichtbar nur für Free- und Go-Nutzer und in Deutschland seit dem 24. August 2026 im Einsatz. Gebucht wird ohne Keywords, ab 15 Euro am Tag, per Kreditkarte, nach einer Prüfung des Unternehmens und der Zielseite. Personalisierung gibt es in Europa vorerst nicht, Chats bekommt kein Werbetreibender zu sehen, und ganze Branchen sind ausgeschlossen. Ob sich ein Test lohnt, entscheidet nicht die Neugier, sondern Kategorie, Zielseite, Messung und Budget.

Wenn du wissen willst, ob dein Angebot in ChatGPT überhaupt beworben werden darf und was ein Test kosten würde: Schreib uns kurz, was du anbietest und mit welchem Budget du planst. Wir prüfen die vier Punkte und sagen dir auch, wenn die Antwort „noch nicht“ lautet.

Quellen