Inhaltsverzeichnis
  1. Woran der Preisunterschied wirklich hängt
  2. Miete oder Eigentum: die Entscheidung, die bleibt
  3. Die Kosten, die im Angebot nicht stehen
  4. Vier Pflichten, die dein Shop ab Werk erfüllen muss
  5. Sieben Angaben, die jedes Angebot vergleichbar machen
  6. Kurz zusammengefasst

Wer drei Agenturen nach einem Onlineshop fragt, bekommt drei Zahlen, die nichts miteinander zu tun haben. Neuntausend, neunzehntausend, fünfundvierzigtausend. Alle drei Angebote tragen dasselbe Wort im Betreff.

Das liegt selten daran, dass eine Agentur zu teuer ist. Es liegt daran, dass „Onlineshop“ kein definierter Leistungsumfang ist. Ohne gemeinsame Grundlage rät jeder Anbieter, was gemeint sein könnte, und rechnet seine Vermutung.

Dieser Beitrag beschreibt, woran der Unterschied hängt, welche Posten in Angeboten regelmäßig fehlen und welche gesetzlichen Pflichten dein Shop ab Werk erfüllen muss. Am Ende stehen sieben Angaben, mit denen aus drei Fantasiezahlen drei vergleichbare Angebote werden.

Woran der Preisunterschied wirklich hängt

Fünf Größen bestimmen den Aufwand. In dieser Reihenfolge:

Das Sortiment, aber nicht als Stückzahl. Zweitausend Artikel ohne Varianten sind ein Datenimport. Zweihundert Artikel mit Größe, Farbe, Materialstärke und staffelbaren Preisen sind Konfigurationsarbeit an jedem einzelnen. Die Frage lautet nie „wie viele Produkte“, sondern „wie viele Varianten je Produkt und wie viele Preisregeln“.

Die Schnittstellen. Ein Shop, der Bestellungen als E-Mail verschickt, ist in Tagen fertig. Ein Shop, der Bestände aus der Warenwirtschaft zieht, Rechnungen an die Buchhaltung übergibt und Sendungsnummern zurückschreibt, ist ein Integrationsprojekt. Jede Schnittstelle kostet mehr als die Anbindung selbst, weil auch der Fall geregelt werden muss, in dem die Gegenstelle nicht antwortet.

Zahlung und Versand. Rechnungskauf mit Bonitätsprüfung, Ratenzahlung, Vorkasse mit Zahlungsabgleich, mehrere Versanddienstleister mit unterschiedlichen Gewichtsklassen: Jede dieser Anforderungen ist für sich klein und in Summe der Grund, warum Angebote auseinanderlaufen.

Die Migration. Ein neuer Shop ohne Vorgänger startet bei null. Ein Nachfolger muss Bestandskunden, offene Bestellungen, Bewertungen und vor allem die alten Adressen übernehmen, sonst verliert er die Rankings der Vorgängerseite. Das ist eigene Arbeit und gehört als eigener Posten ins Angebot.

Die Inhalte. Produkttexte, Fotos, Kategorietexte, Rechtstexte. Wer das selbst liefert, spart den größten variablen Posten. Wer es nicht sagt, bekommt ein Angebot, in dem entweder viel Luft steckt oder eine böse Überraschung.

Zur Einordnung, was das in Summe bedeutet: Unsere eigenen Shop-Projekte beginnen bei 8.900 € für ein klar umrissenes Sortiment und gehen bis 48.000 €, wenn Warenwirtschaft, Kundenkonten und mehrere Länder dazukommen. Die Aufschlüsselung dieser Spanne steht offen auf unserer Leistungsseite. Dieselbe Spanne findest du bei jedem seriösen Anbieter, nur selten so beschriftet.

Miete oder Eigentum: die Entscheidung, die bleibt

Vor jeder Preisfrage steht eine Weichenstellung, die sich später nur mit einem kompletten Neubau korrigieren lässt.

Bei einem gehosteten System wie Shopify mietest du den Shop. Der Betrieb ist nicht dein Problem, Updates auch nicht, dafür zahlst du monatlich, bist an die Grenzen des Systems gebunden und kannst den Shop nicht mitnehmen. Bei WooCommerce oder Shopware gehört dir die Installation. Du kannst alles ändern, musst dich aber um Aktualisierungen, Sicherheit und Hosting kümmern oder jemanden dafür bezahlen.

Beides ist vertretbar. Falsch wird es nur, wenn die Entscheidung nach dem Monatspreis fällt. Die ehrliche Frage lautet: Wie viel deines Geschäfts steckt in Regeln, die dein System nicht kennt? Wer Staffelpreise je Kunde, Freigabeprozesse oder eine gewachsene Artikellogik hat, stößt bei einem gehosteten System schneller an eine Wand, als der Preisvergleich vermuten lässt.

Wir haben die beiden verbreitetsten Kandidaten in einem eigenen Vergleich von WooCommerce und Shopify gegenübergestellt, mit den Punkten, an denen sie sich wirklich unterscheiden.

Die Kosten, die im Angebot nicht stehen

Ein Shop ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein Betrieb. Diese Posten laufen ab dem ersten Tag und fehlen in Angeboten regelmäßig:

  • Hosting, für einen Shop deutlich teurer als für eine Website, weil Datenbank und Warenkorb Last erzeugen
  • Aktualisierungen von System, Erweiterungen und Zahlungsmodulen, mit Prüfung vor dem Einspielen
  • Sicherung und Wiederherstellung, getestet, nicht nur eingerichtet
  • Lizenzen für Erweiterungen, meist im Jahresabo
  • Transaktionsgebühren der Zahlungsanbieter, ein bis drei Prozent vom Umsatz, je nach Verfahren
  • Überwachung, damit ein Ausfall nicht erst durch einen Anruf auffällt

Rechne diese Posten zusammen, bevor du Angebote vergleichst. Ein günstiges Angebot mit teurem Betrieb ist nach zwei Jahren das teurere.

Vier Pflichten, die dein Shop ab Werk erfüllen muss

Hier trennt sich, wer Shops baut, von wem, der Shops betreibt. Vier gesetzliche Anforderungen treffen deutsche Onlineshops, drei davon gelten bereits. Nachrüsten ist in allen vier Fällen teurer als Mitdenken.

E-Rechnungen empfangen, seit dem 1. Januar 2025. Jedes Unternehmen muss strukturierte Rechnungen annehmen können, ohne Ausnahme und ohne Übergangsfrist. Das Senden folgt gestaffelt nach Umsatz ab 2027 und 2028. Für die meisten Shops ist der Shop dabei der falsche Ort, weil die Rechnung aus der Buchhaltung kommt. Warum das so ist und wann es doch der Shop sein muss, steht in unserem Beitrag zur E-Rechnung im Onlineshop.

Barrierefreiheit, seit dem 28. Juni 2025. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt für Websites, über die Verbraucher Verträge abschließen, also für praktisch jeden B2C-Shop. Maßstab ist WCAG 2.1 auf Stufe AA. Ausgenommen sind Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme. Prüfe das früh: Die Ausnahme ist enger, als viele annehmen, und ein nachträglich barrierefrei gemachter Checkout ist der teuerste Umbau überhaupt. Details in unserem Beitrag zum BFSG für Websites.

Umweltaussagen, ab dem 27. September 2026. Ab diesem Stichtag sind allgemeine Umweltaussagen ohne Nachweis unlauter, ohne dass jemand nachweisen muss, dass ein Kunde getäuscht wurde. Betroffen sind nicht nur Werbebanner, sondern Produkttexte, Filter und strukturierte Daten. Wer heute einen Shop baut, sollte solche Aussagen von Anfang an belegbar anlegen. Die Einzelheiten stehen in unserem Beitrag zur EmpCo-Richtlinie.

Produktdaten für den digitalen Produktpass, ab 2027. Der Batteriepass ist die erste feste Frist, Textilien sowie Eisen und Stahl stehen im Arbeitsplan. Wer Produkte in diesen Gruppen verkauft, braucht strukturierte Produktinformationen, die über die heutigen Shop-Felder hinausgehen. Was dahintersteckt, haben wir auf der Seite zum digitalen Produktpass beschrieben.

Nicht jede dieser Pflichten betrifft jeden Shop. Aber jede von ihnen ist günstiger, wenn sie beim Bau berücksichtigt wird, statt zwei Jahre später nachgerüstet zu werden.

Sieben Angaben, die jedes Angebot vergleichbar machen

Schick diese sieben Punkte an jeden Anbieter, den du anfragst. Sie kosten dich eine halbe Stunde und machen aus Fantasiezahlen Angebote, die sich nebeneinanderlegen lassen.

  1. Sortiment: Zahl der Artikel, Zahl der Varianten je Artikel, gibt es Staffel- oder Kundenpreise
  2. Schnittstellen: welche Systeme, in welche Richtung, wie oft
  3. Zahlung und Versand: welche Verfahren, welche Dienstleister, gibt es Rechnungskauf
  4. Migration: gibt es einen Vorgängershop, und was muss mitkommen
  5. Inhalte: wer liefert Texte, Bilder und Rechtstexte
  6. Sprachen und Länder: eine Sprache oder mehrere, Lieferung ins Ausland
  7. Termin: bis wann muss der Shop verkaufen

Und eine Frage an den Anbieter selbst, die mehr über die spätere Zusammenarbeit sagt als jede Referenzliste: Was passiert mit dem Shop, wenn wir uns trennen? Bekomme ich Zugänge, Datenbank und Quellcode, und läuft der Shop ohne euch weiter? Wer darauf ausweichend antwortet, hat die Antwort schon gegeben.

Kurz zusammengefasst

Der Preisunterschied zwischen Shop-Angeboten kommt aus fünf Größen: Varianten, Schnittstellen, Zahlung und Versand, Migration und Inhalte. Die Systemfrage entscheidest du vor dem Preis, weil sie sich später nur mit einem Neubau ändern lässt. Die laufenden Kosten gehören in den Vergleich, sonst gewinnt das Angebot, das später teurer wird. Und vier gesetzliche Pflichten sind heute schon absehbar, drei davon gelten bereits.

Wenn du die sieben Angaben oben zusammenstellst und uns schickst, bekommst du von uns ein Angebot, in dem einmalige und laufende Posten getrennt ausgewiesen sind. Falls dabei herauskommt, dass ein gehostetes System für dich der bessere Weg ist, sagen wir das auch.